Entwurf

Gastroenterologie

Forschung

Telemedizin

Die Studie „Telephone Consultation as a Substitute for Routine Out-patient Face-to-face Consultation for Children With Inflammatory Bowel Disease“ (2015) untersucht die Wirksamkeit und Kosten von Telefonkonsultationen im Vergleich zu herkömmlichen ambulanten persönlichen Konsultationen bei Kindern mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD). In einer randomisierten kontrollierten Studie mit 86 Patienten (8–16 Jahre) in Manchester, UK, zeigte sich kein Unterschied in der Lebensqualität nach 12 Monaten zwischen den Gruppen (Telefon vs. persönlich). Telefonkonsultationen waren kürzer (9,8 vs. 14,3 Minuten) und kostengünstiger (£35,41 vs. £51,12 pro Konsultation), ohne Hinweise auf Nachteile in Bezug auf Krankheitsverlauf oder Patientenzufriedenheit. Die Studie, finanziert vom UK National Institute for Health Research, zeigt, dass Telefonkonsultationen eine effektive und kostensparende Alternative für die Routinebetreuung von Kindern mit IBD sind. (Akobeng u. a. 2015)

KI-Bilderkennung in der Endoskopie

Computervision hat in der Endoskopie hat durch KI-gestützte Systeme wie EndoML und EndoDINO Einzug gehalten. EndoML ermöglicht es, mit dem Fundamentmodell EndoDINO, das auf über 130.000 Endoskopievideos trainiert wurde, KI-Modelle für Anwendungen wie Polypenerkennung, Landmarkenerkennung und IBD-Schweregradbewertung zu entwickeln, ohne tiefgehende Programmierkenntnisse. Die Plattform erleichtert das Hochladen und Labeln von Endoskopiedaten, beschleunigt die Biomarker-Identifikation und bietet HIPAA- und SOC2-konforme Sicherheit. EndoDINO übertrifft frühere Modelle wie Etro-FM und Endo-FM durch die Nutzung von 10 Millionen Frames und fortschrittlicher DINOv2-Architektur, was zu höherer Präzision bei Klassifikation, Segmentierung und Detektion führt. Zusätzlich unterstützt EndoML Objekterkennung, Videosegmentierung, natürliche Sprachanalyse und interaktive Visualisierungen wie T-SNE-Diagramme, während ein dynamischer API-Zugang und der Datenaustausch die Integration und Forschung weiter fördern. Studien wie die von Zhao Wang et al. (2025) zeigen, dass Modelle wie EndoFM-LV, die auf langen Videosequenzen trainiert werden, bestehende Ansätze in Klassifikation, Segmentierung, Detektion und Workflow-Erkennung deutlich übertreffen, was die Bedeutung langer Sequenzen für die Endoskopie-Analyse unterstreicht. (Wang u. a. 2025)

Die Studie mit dem Titel „Endoscopist deskilling risk after exposure to artificial intelligence in colonoscopy“ untersucht, ob der fortwährende Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bei Koloskopien dazu führt, dass erfahrene Endoskopiker ihre eigenen Fähigkeiten zur Erkennung von Polypen verlieren. Die multizentrische Beobachtungsstudie, die in mehreren polnischen Kliniken durchgeführt wurde, zeigte, dass nach der Einführung von KI zur Polypenerkennung die diagnostische Leistung der Endoskopiker bei nicht KI-unterstützten Untersuchungen deutlich abnahm. Dies weist darauf hin, dass die Abhängigkeit von KI zu einem sogenannten „Deskilling“-Effekt führen kann, bei dem die eigenen Fähigkeiten zur Polypenerkennung im Laufe der Zeit geschwächt werden. Die Studie betont die Notwendigkeit, bei der Integration von KI-Lösungen in der Medizin darauf zu achten, die Fachkompetenz der Ärzte nicht zu gefährden. (Budzyń u. a. 2025)

KI-Mikrobiom-Analyse

Die Studie „Classification of Microbiome Data from Type 2 Diabetes Mellitus Individuals with Deep Learning Image Recognition“ untersucht die Klassifikation von Mikrobiomdaten zur Unterscheidung zwischen gesunden und an Typ-2-Diabetes leidenden Personen mittels Deep Learning. Die Forscher entwickelten eine innovative Methode, bei der Mikrobiomdaten als radiale Heatmaps visualisiert und mit einem ResNet-50-Modell analysiert wurden. Dabei wurden 674 gesunde und 272 T2D-Proben untersucht, was eine Klassifikationsgenauigkeit von 96 %, eine Spezifität von 97 % und eine Sensitivität von 92 % ergab. Die Studie zeigt, dass diese Methode eine präzise Unterscheidung ermöglicht und zukünftig zur Diagnose verschiedener Krankheiten durch Analyse des Darmmikrobioms beitragen könnte. (Pfeil u. a. 2023)

Die Studie „Investigation of metabolic pathways from gut microbiome analyses regarding type 2 diabetes mellitus using artificial neural networks“ untersucht die Klassifizierung von Stoffwechselwegen des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes-Patienten mittels neuronaler Netze. Durch Next-Generation-Sequencing von 16S-rDNA aus Stuhlproben wurden Mikrobiomprofile von 272 Patienten und 674 gesunden Kontrollpersonen erstellt und Stoffwechselwege identifiziert. Ein neuronales Netz ermöglichte eine präzise Klassifizierung mit einer Genauigkeit von 84,5 %, wobei wichtige Stoffwechselwege wie die Biosynthese von Aminosäuren (z. B. L-Tyrosin, L-Phenylalanin) und Thiazolen als entscheidend für die Vorhersagegenauigkeit erkannt wurden. Eine SHAP-Analyse zeigte, dass bestimmte Biosynthesewege bei Typ-2-Diabetes häufiger auftreten, während andere reduziert sind. Die Studie unterstreicht die Bedeutung des Darmmikrobioms für das Verständnis und die Diagnose von Typ-2-Diabetes. (Siptroth u. a. 2023)

Der Artikel „Detection of undiagnosed liver cirrhosis via AI-enabled electrocardiogram: a pragmatic, cluster-randomized clinical trial“ beschreibt eine pragmatische, cluster-randomisierte Studie, die den Einsatz eines KI-basierten Modells (ECG-ML) zur Analyse von Elektrokardiogrammen auf fortgeschrittene chronische Lebererkrankungen prüft. In der Interventionsgruppe mit Zugang zu den KI-Ergebnissen wurden bei 15.596 Patienten signifikant mehr neue Diagnosen fortgeschrittener Leberzirrhose gestellt (1,0 % gegenüber 0,5 % in der Kontrollgruppe; Odds Ratio 2,09; p = 0,007). Besonders bei Patienten mit positivem KI-Befund stieg die Detektionsrate deutlich an (4,4 % gegenüber 1,1 %; Odds Ratio 4,37; p < 0,001). Die Studie zeigt, dass diese nicht-invasive Methode in der Primärversorgung die Früherkennung unterdiagnostizierter Fälle verbessern kann, obwohl die diagnostische Ausbeute durch variierende Umsetzung der KI-Empfehlungen begrenzt war.

Weiteres

Der Artikel „Impact of digital health interventions on patient satisfaction in outpatient gastrointestinal endoscopy: a systematic review“ untersucht den Einfluss digitaler Gesundheitsinterventionen auf die Patientenzufriedenheit bei ambulanten gastrointestinalen Endoskopien. In neun eingeschlossenen Studien, überwiegend randomisierten kontrollierten Trials, wurden Interventionen wie Smartphone-Apps, Online-Videos, E-Mail-Links oder QR-Codes mit standardmäßiger Aufklärung verglichen. Fünf Studien zeigten eine Verbesserung der Zufriedenheit durch digitale Maßnahmen, drei keine signifikante Veränderung und eine ohne statistische Analyse. Die Evidenzqualität ist aufgrund heterogener Methodik, unterschiedlicher Messinstrumente und hohem Bias-Risiko sehr niedrig. Die Autoren schließen, dass digitale Interventionen potenziell positiv wirken könnten, empfehlen jedoch weitere hochwertige Forschung mit standardisierten Patientenerfassungstools.

Die Studie „Utilization and efficacy of internet-based eHealth technology in gastroenterology: a systematic review“ von Simon R. Knowles und Antonina Mikocka-Walus aus dem Jahr 2014 untersuchte internetbasierte eHealth-Interventionen in der Gastroenterologie. Insgesamt 17 Arbeiten wurden analysiert, davon sieben zu psychologisch orientierten Interventionen und acht zu Krankheitsmanagementprogrammen bei Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie. Psychologische eHealth-Ansätze zeigten signifikante Reduktionen der Darmsymptome und Verbesserungen der Lebensqualität, die bis zu 12 Monate anhielten. Programme zum Krankheitsmanagement verbesserten in der Regel die Lebensqualität, Therapieadhärenz, Krankheitskenntnisse und reduzierten Gesundheitskosten, wenngleich methodische Limitationen bestanden. Die Autoren schlossen, dass internetbasierte eHealth-Technologien ein vielversprechendes Instrument zur Förderung und Verbesserung des Managements gastroenterologischer Erkrankungen sowie der psychischen Gesundheit darstellen.

„Digital Health Technologies for Remote Monitoring and Management of Inflammatory Bowel Disease: A Systematic Review“ ist eine systematische Übersichtsarbeit über 14 randomisierte kontrollierte Studien. Sie untersucht den Einsatz digitaler Gesundheitstechnologien wie Web-Plattformen, Mobile Apps und Telemedizin im Vergleich zur Standardversorgung bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Technologien die Krankheitsaktivität und das Rückfallrisiko nicht signifikant reduzieren, die Lebensqualität und die Therapieadhärenz nicht wesentlich verbessern, jedoch mit einer geringeren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und niedrigeren Kosten einhergehen (niedrige bis sehr niedrige Evidenzsicherheit). Die Autoren schließen, dass digitale Ansätze potenziell wertbasierte Versorgung und Populationsmanagement unterstützen können, ohne Nachteile für klinische Outcomes.

Die Studie „Digital health for functional gastrointestinal disorders“ von Pathipati et al. (2021) beleuchtet den Einsatz digitaler Technologien zur Behandlung funktioneller gastrointestinaler Störungen (FGIDs). Sie beschreibt vier zentrale Anwendungsbereiche: Symptom-Tracking-Plattformen, digital vernetzte Geräte, Telemedizin sowie Patienten-Support-Gruppen. Diese Tools ermöglichen häufigere Patienten-Interaktionen, objektivere Daten und besseren Zugang zu Therapien wie kognitiver Verhaltenstherapie oder Ernährungsberatung. Die Autoren heben potenzielle Verbesserungen der Versorgung hervor, betonen jedoch die Notwendigkeit weiterer klinischer Studien, klarer Geschäftsmodelle und integrierter Plattformen, um eine breitere Adoption zu erreichen.

Der Artikel „AGA Clinical Practice Update on Telemedicine in Gastroenterology: Commentary“ der American Gastroenterological Association aus dem Jahr 2023 gibt evidenzbasierte Empfehlungen zur Nutzung von Telemedizin in der Gastroenterologie und Hepatologie. Telemedizin wird als zweizeitige, interaktive audiovisuelle Kommunikation zwischen Arzt und Patient definiert und hat sich insbesondere durch die COVID-19-Pandemie etabliert. Patienten und Ärzte zeigen hohe Zufriedenheit, wobei Telemedizin besonders für die Betreuung stabiler chronischer Erkrankungen wie entzündliche Darmerkrankungen oder chronische Lebererkrankungen geeignet ist und Vorteile wie reduzierte Reisezeiten und geringeren Arbeitsausfall bietet. Die Autoren betonen, dass Telemedizin bei akuten oder komplexen Fällen sowie bei Patienten mit eingeschränktem Technikzugang weniger geeignet ist, und fordern die Berücksichtigung regulatorischer, abrechnungstechnischer und sozioökonomischer Aspekte für eine qualitativ hochwertige virtuelle Versorgung.

Der Artikel „Digital disease management programme reduces chronic gastrointestinal symptoms among racially and socially vulnerable populations“ untersucht die Wirksamkeit eines digitalen Programms zur Behandlung chronischer gastrointestinaler Symptome. An der Studie nahmen 1936 Teilnehmer unterschiedlicher demografischer Gruppen teil, die über 90 Tage Symptomverfolgung, personalisierte Ernährungstherapie, gesundheitliche Beratung und gezielte Aufklärung erhielten. Die Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer aller Geschlechter, Ethnien und sozialer Vulnerabilitätsstufen das Programm ähnlich intensiv nutzten und signifikante Verbesserungen der Symptome (bei 85 % der Teilnehmer) sowie patientenberichtete Outcomes wie gesteigerte Gesundheitskontrolle, Lebensqualität und Arbeitsproduktivität erzielten. Die Autoren schließen, dass ein solches digitales Krankheitsmanagementprogramm potenziell Disparitäten im Zugang zur gastrointestinalen Versorgung verringern kann.

Der Artikel „Development and Current State of Digital Therapeutics for Irritable Bowel Syndrome“ von Darren M. Brenner, Amy M. Ladewski und Sarah Wimberly Kinsinger, veröffentlicht in Clinical Gastroenterology and Hepatology (2024), gibt einen Überblick über die Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms (IBS), die bestehenden therapeutischen Lücken und die Evidenz für digitale Therapeutika. IBS ist eine häufige Störung mit abdominalen Schmerzen und verändertem Stuhlverhalten, die durch eine bidirektionale Darm-Hirn-Achse und psychosoziale Faktoren beeinflusst wird. Leitlinien empfehlen hirn-darm-gerichtete Verhaltenstherapien (BGBT) wie kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und darmgerichtete Hypnotherapie (GDH) als wirksame Ergänzung zu medikamentösen Ansätzen. Aufgrund begrenzter Zugänglichkeit durch Therapeutenmangel, Kosten und Zeitaufwand gewinnen digitale, selbstgesteuerte Anwendungen an Bedeutung. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit von FDA-zugelassenen digitalen Therapeutika wie Mahana IBS (CBT-basiert) und Regulora (GDH-basiert) sowie nicht zugelassener Programme bei der Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Die Autoren betonen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Patientenselektion mit mentaler Gesundheitsprüfung und Risikoabschätzung vor der Empfehlung solcher Interventionen.

„Face-to-Face Versus Digital, Telephone-Delivered, and Self-Help Cognitive Behavioral Therapy for Irritable Bowel Syndrome: Systematic Review and Bayesian Indirect Treatment Comparison Meta-Analysis“ ist eine Studie von Tao et al. und analysiert in einer systematischen Review und bayesschen indirekten Behandlungskomparisons-Meta-Analyse 22 randomisierte kontrollierte Studien mit 3161 Teilnehmern mit Reizdarmsyndrom (IBS). Sie vergleicht die Wirksamkeit von persönlicher kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) mit digitaler, telefonischer und Selbsthilfe-CBT hinsichtlich Symptomsschwere, Lebensqualität und Bauchschmerzintensität. Die Ergebnisse zeigen vergleichbare Effekte aller CBT-Formen, wobei jedoch bei den meisten Vergleichen die effektiven Stichprobengrößen unzureichend sind und die Evidenzsicherheit moderat bis niedrig ausfällt. Die Autoren empfehlen weitere hochwertige Studien aufgrund hoher Heterogenität und Bias-Risiken.

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