Entwurf

Allgemeinmedizin

Sektion Digitalisierung der DEGAM

Die 2022 gegründete Sektion Digitalisierung der DEGAM begleitet die Digitalisierung in der Hausarztpraxis durch evidenzbasierte Expertise und Stellungnahmen. Sie arbeitet eng mit anderen Sektionen wie Forschung und hausärztlicher Praxis sowie mit DESAM-ForNet zusammen. Die Sektion trifft sich regelmäßig online und einmal jährlich beim DEGAM-Jahreskongress in Präsenz.

Digitale Wissensplattformen

Weiteres

„Delivering Lifestyle Interventions for Chronic Disease Care Sustainably and at Scale through Virtual Shared Medical Appointments in Primary Care“ beschreibt ein Versorgungsmodell mit virtuellen Shared Medical Appointments in der Primärversorgung zur Umsetzung von Lifestyle-Interventionen bei chronischen Erkrankungen. Die Studie aus NEJM Catalyst zeigt, dass dieses Gruppenformat nachhaltig skalierbar ist und insbesondere bei Patient:innen mit Hypertonie mit verbesserten Blutdruckwerten assoziiert war. Im Fokus stehen Umsetzungsaspekte wie Finanzierung, Rekrutierung und Integration in die Routineversorgung.

„Artificial intelligence in primary care: innovation at a crossroads“ beschreibt den aktuellen Stand und die Herausforderungen des Einsatzes von KI in der Primärversorgung. Der Beitrag analysiert Anwendungen von KI zur Unterstützung von Behandelnden und Patient:innen sowie deren Auswirkungen auf Qualität, Sicherheit, Effizienz, Equity und Versorgungskontinuität. Im Zentrum stehen Chancen durch generative KI und klinische Entscheidungsunterstützung, aber auch Risiken wie Halluzinationen, Bias, fehlende Evidenz aus Real-World-Settings sowie regulatorische und ethische Herausforderungen.

Maturity, Safety, and Equity of AI-Enabled Systems and Triage in Integrated Primary Care untersucht die Voraussetzungen für den verantwortungsvollen Einsatz KI-gestützter Triage-Systeme in der Primärversorgung. Im Fokus stehen digitale Reife, Patientensicherheit und gesundheitliche Gerechtigkeit als Teil eines umfassenden soziotechnischen Ansatzes. Der Beitrag argumentiert, dass Interoperabilität, Governance und digitale Infrastruktur entscheidend für die Umsetzung des Quintuple Aim sind.

Evidence based guidelines or collectively constructed “mindlines?” Ethnographic study of knowledge management in primary care beschreibt eine ethnographische Untersuchung, wie Hausärzt:innen und Pflegekräfte klinische Entscheidungen tatsächlich treffen. Die Studie zeigt, dass formale Leitlinien selten direkt genutzt werden und stattdessen „Mindlines“ entstehen – kollektiv geprägte, internalisierte Wissensmuster aus Erfahrung, Netzwerken und informellen Austauschprozessen. Damit wird Evidenz nicht linear angewendet, sondern sozial konstruiert und kontextabhängig in die Praxis integriert.

Primary Care Clinician Perspectives on Older Adult Chronic Pain Management and Clinical Decision Support: Qualitative Study“Primary Care Clinician Perspectives on Older Adult Chronic Pain Management and Clinical Decision Support: Qualitative Study” wird eine qualitative Studie zu primärärztlichen Perspektiven auf die Versorgung älterer Erwachsener mit chronischen Schmerzen vorgestellt. Im Fokus stehen Herausforderungen der Schmerztherapie sowie die Rolle des CDSS I-COPE zur Unterstützung multimodaler, leitlinienbasierter Versorgung und gemeinsamer Entscheidungsfindung. Die Ergebnisse zeigen, dass klinische Entscheidungsunterstützungssysteme die Effizienz und Struktur der Schmerzversorgung verbessern können, zugleich aber Implementierungs- und Workflow-Hürden bestehen.

Feasibility study of a clinical decision support system for polymedicated patients in primary care untersucht die praktische Einsetzbarkeit des CDSS „miniQ“ zur Verbesserung der Arzneimittelverordnung bei älteren, multimorbiden Patienten mit Polypharmazie in der Primärversorgung. Die Studie zeigt, dass miniQ potenziell ungeeignete Medikamente, Doppelverordnungen sowie bestimmte Risikomedikationen zuverlässig identifizieren kann und von Ärztinnen und Ärzten als nützlich und gut nutzbar bewertet wurde. Auch Patienten und pflegende Angehörige profitierten durch ein besseres Verständnis ihrer Medikation. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial klinischer Entscheidungsunterstützungssysteme zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und Versorgungsqualität, weisen jedoch auf die Bedeutung einer engen Integration in bestehende elektronische Patientenakten hin.

„‘Gearing Up’ to improve interprofessional collaboration in primary care: a systematic review and conceptual framework“ präsentiert die Ergebnisse eines systematischen Reviews zur interprofessionellen Zusammenarbeit in der Primärversorgung. Die Studie identifiziert 18 signifikante Einflussfaktoren auf kollaborative Prozesse in interprofessionellen Teams, die in ein „Gears“-Konzeptmodell (Makro-, Meso-, Mikro- und Individualebene) eingeordnet werden. Besonders stark vertreten sind teambezogene Mikro-Faktoren wie gemeinsame Ziele, Kommunikationsstrukturen und Teamklima.

Understanding the implementation and adoption of a technological intervention to improve medication safety in primary care: a realist evaluation beschreibt die Einführung eines elektronischen Medicines-Optimisation-Systems (EMOS) in der Primärversorgung. Die Studie zeigt, dass die Verbesserung der Medikationssicherheit stark von organisatorischen Kontexten, Nutzerengagement und bestehenden Arbeitspraktiken abhängt. Zentrale Ergebnisse betreffen insbesondere die Rolle von Informationsfluss, Aufgabenverteilung und wahrgenommener Systemverantwortung.

“Trust in AI-Supported Screening in General Practice Among Urban and Rural Citizens: Cross-Sectional Study” untersucht die Akzeptanz und das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern gegenüber KI-gestützten Früherkennungsmaßnahmen in Hausarztpraxen. Die Studie mit 1790 Teilnehmenden aus Schleswig-Holstein zeigt, dass Vertrauen in ärztliche Diagnosen deutlich höher ist als in KI-basierte Diagnosen, gleichzeitig jedoch ein Drittel der Befragten eine zunehmende Bedeutung von KI im Gesundheitswesen erwartet. Eine positive Einstellung gegenüber KI erwies sich als stärkster Einflussfaktor für Vertrauen in KI-Diagnosen.

Association of Advanced Access With Primary Care Performance: A Systematic Review fasst die Evidenz zur Einführung des Advanced-Access-Terminmodells in der hausärztlichen Versorgung zusammen. Die systematische Übersichtsarbeit zeigt anhand von 29 Studien, dass Advanced Access die Wartezeiten auf Termine konsistent verkürzt, die Versorgungskontinuität und die Patientenzufriedenheit häufig verbessert und möglicherweise unnötige Notaufnahmen reduziert. Die Ergebnisse waren sowohl in universellen als auch in nicht-universellen Gesundheitssystemen weitgehend vergleichbar.

Handheld Cardiac Ultrasound Guided by Artificial Intelligence to Detect Heart Failure Across Primary Care untersucht den Einsatz KI-gestützter tragbarer Herzultraschallgeräte zur frühzeitigen Erkennung von Herzinsuffizienz in der hausärztlichen Versorgung. Ein Pilotprojekt in neun Praxen in Granada, Madrid und Barcelona zeigte einen möglichen diagnostischen Schnellzugang für Patientinnen und Patienten mit Dyspnoe, wobei auch unerfahrene Ärztinnen und Ärzte nach strukturierter Schulung KI-gestützte Echokardiografie einsetzen konnten. Die Autoren schätzen die Untersuchungskosten auf etwa 20 € pro Patient gegenüber rund 280 € für eine kardiologische Überweisung und sehen Potenzial für eine Reduktion unnötiger Überweisungen und eine frühere Behandlung.

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