Entwurf

Medizinische Zukunftsforschung

Die Studie „Exploring the Need for Medical Futures Studies: Insights From a Scoping Review of Health Care Foresight“ untersucht, wie Methoden der Zukunftsforschung bisher im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Die Autoren zeigen anhand einer systematischen Übersichtsarbeit, dass bisher nur wenige der verfügbaren Foresight-Methoden genutzt werden und es an strukturierten Vorgehensweisen für deren Anwendung in der Medizin fehlt. Die Studie betont die Notwendigkeit, „Medical Futures Studies“ als eigenständiges wissenschaftliches Teilgebiet zu etablieren, um innovative, interdisziplinäre und partizipative Zukunftsplanung im Gesundheitswesen zu fördern. Abschließend empfehlen die Autoren u.a. die Gründung einer spezialisierten Fachzeitschrift, die Integration von Zukunftsmethoden in medizinische Curricula sowie die Einbindung von erfahrenen Futuristen in strategische Entscheidungsprozesse. (Meskó u. a. 2024)

„A Practical Guide to Using Futures Methods in Health Care: Approaches, Applications, and Case Studies“ ist ein wissenschaftlicher Artikel, der 2025 im Journal of Medical Internet Research erschienen ist. Die Autoren um Bertalan Meskó vom Medical Futurist Institute stellen darin gängige Futures-Methoden wie Futures Wheel, Scenario Analysis, Backcasting, Horizon Scanning, Technology Assessment, Policy Analysis und die Delphi-Methode vor. Der Text erläutert systematisch deren Grundprinzipien, praktische Anwendungsmöglichkeiten und konkrete Fallbeispiele aus dem Gesundheitswesen, darunter Analysen zu COVID-19-Folgen, Präzisionsmedizin, Alterung und digitaler Gesundheit. Ziel des Beitrags ist es, Medizinern, Forschern, Entscheidungsträgern und Institutionen ein methodisches Werkzeug an die Hand zu geben, um zukünftige Entwicklungen strukturiert zu antizipieren, anstatt sich auf subjektive Einschätzungen zu stützen, und so eine proaktive, resilientere Gesundheitsversorgung zu fördern.

„Anticipating emerging medical technologies: The start of an international horizon scanning tool for medical devices“ ist ein wissenschaftlicher Artikel, der 2024 in der Zeitschrift Futures (Volume 156) erschienen ist. Die Autoren Renee Else Michels, Martinus Bertram de Graaff, Payam Abrishami und Diana Maria Johanna Delnoij untersuchen die Entstehung eines internationalen Horizon-Scanning-Tools für Medizinprodukte innerhalb der International Horizon Scanning Initiative (IHSI) Medical Devices Working Group, einer vorwiegend europäischen Zusammenarbeit. Der Beitrag analysiert anhand des Konzepts der anticipatory governance und der micro-regimes of anticipation die Erwartungen der Beteiligten, identifiziert vier miteinander verknüpfte Mikro-Regime (u. a. mit Fokus auf Health Technology Assessment, Regulierung und Zusammenarbeit) und zeigt Dominanz eines pharmazeutisch geprägten, linearen Ansatzes. Er betont die Notwendigkeit größerer Reflexivität über Zukunftsannahmen, Unsicherheiten und Stakeholder-Integration, um die Governance neuartiger Medizintechnologien effektiver und verantwortungsvoller zu gestalten.

Organisatorische Vision (OV)

Die Studie „How Do Doctors Perceive the Organizing Vision for Electronic Medical Records? Preliminary Findings from a Study of EMR Adoption in Independent Physician Practices“ untersucht, wie Ärzte in unabhängigen Praxen die organisatorische Vision (OV) für elektronische Patientenakten (EMR) wahrnehmen. Durch eine Umfrage unter diesen Praxen wird die Rolle dieser Vision bei der Akzeptanz und Nutzung von EMR-Technologien erforscht. Mittels Faktorenanalyse werden die strukturellen Eigenschaften und Inhalte der OV analysiert. Die Studie trägt zur Forschung bei, indem sie die Anwendbarkeit des OV-Konzepts auf Innovationen im Gesundheitswesen untersucht. (Reardon und Davidson 2007)

Zwillingstransformation (Twin Transformation)

Die Studie „Digital Health: Eine grüne Zukunft für das Gesundheitswesen?“ untersucht, wie digitale Innovationen wie Telemedizin, digitale Diagnostik und künstliche Intelligenz dazu beitragen können, das Gesundheitswesen nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Dabei werden sowohl die Herausforderungen durch den hohen Energieverbrauch dieser Technologien als auch die Chancen einer gleichzeitigen digitalen und nachhaltigen Transformation – der sogenannten „twin transformation“ – thematisiert. Anhand von Beispielen aus der Urologie zeigt die Studie, wie digitale Gesundheitslösungen personalisierte Medizin fördern und gleichzeitig ökologische Ziele unterstützen können. Die Autoren betonen, dass technologische, organisatorische und gesellschaftliche Veränderungen notwendig sind, um ein klimafreundliches und zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu etablieren. (Adler u. a. 2025)

Die Studie mit dem Titel „The Urgency of Environmentally Sustainable and Socially Just Deployment of Artificial Intelligence in Health Care“ thematisiert die dringende Notwendigkeit, Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen umweltfreundlich und sozial gerecht einzusetzen. Sie zeigt auf, dass der Einsatz von generativer KI den ökologischen Fußabdruck des Gesundheitssektors erheblich erhöht, insbesondere durch hohen Energie-, Wasserverbrauch und Elektroschrott. Die Autor:innen betonen, dass nachhaltige Praktiken und regulatorische Maßnahmen nötig sind, um Umweltbelastungen zu reduzieren und soziale Ungerechtigkeiten im Zugang und der Nutzung von KI-Technologien zu vermeiden. Dabei wird ein ausgewogener Einsatz von KI gefordert, der klinischen Nutzen mit Umwelt- und Gerechtigkeitsaspekten verbindet. (Osmanlliu u. a. 2025)

Das Buch „Plattformökonomie im Gesundheitswesen“ mit dem Untertitel „Health-as-a-Service – Digitale Geschäftsmodelle für bessere Behandlungsqualität und Patient Experience“ wurde 2023 veröffentlicht von Christian Stummeyer, Andrea Raab und Moritz Erasmus Behm herausgegeben. Es adressiert als erstes Werk am Markt Health-as-a-Service-Geschäftsmodelle im Gesundheitssektor und beleuchtet, wie digitale Plattformen und datengetriebene Angebote die Behandlungsqualität verbessern, die Patientenerfahrung steigern sowie Effizienz und Kostensenkungen fördern können. Der Band umfasst Beiträge von Autoren aus Wissenschaft und Praxis, behandelt Grundlagen der Plattformökonomie, Erfolgsfaktoren, Marktplätze und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz als Enabler. Mit 328 Seiten und 94 Abbildungen dient es als Leitfaden für Leistungsanbieter im Gesundheitswesen.

Die Studie „Sustainable value generation from digital health investments: lessons from EU-funded projects preceding the European health data space“ (International Journal of Medical Informatics, Volume 206, February 2026) analysiert die langfristige Zugänglichkeit der Ergebnisse von 31 EU-geförderten Projekten zur grenzüberschreitenden eHealth-Interoperabilität aus den Jahren 2005–2024, in die insgesamt fast 200 Millionen Euro investiert wurden. Die Autoren stellten fest, dass knapp die Hälfte der Projekt-Websites nicht mehr aktiv ist, etwa ein Drittel der Projekte keine peer-reviewed Publikationen hervorgebracht hat und bei vielen Vorhaben die Deliverables weder über die Projektseiten noch umfassend über die EU-Plattform CORDIS dauerhaft verfügbar sind. Die Arbeit entwickelt einen neuen „Academic REACH“-Score zur Bewertung des wissenschaftlichen Impacts und empfiehlt verbindliche Regelungen für Open-Access-Publikationen sowie die systematische Archivierung aller Projektergebnisse mit persistenten Identifikatoren, um Wissensverluste zu vermeiden und die Nachhaltigkeit öffentlich finanzierter Digital-Health-Investitionen – insbesondere im Kontext des European Health Data Space – zu sichern.

Strategiepapiere

Das Strategiepapier „Die Innere Medizin 2025/2030“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin analysiert die digitale Transformation als zentralen Treiber zukünftiger Entwicklungen. Künstliche Intelligenz, elektronische Patientenakten und datenbasierte Forschung werden die Diagnostik, Therapie und Versorgungsstrukturen grundlegend verändern. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Datenqualität, Datenschutz und ärztliche digitale Kompetenz. Die Medizin der Zukunft wird stärker vernetzt, personalisiert und durch Algorithmen unterstützt, wobei ärztliche Kontrolle, ethische Standards und die Arzt-Patienten-Interaktion weiterhin essenziell bleiben.

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